WWOOFen – eine Anleitung und 9 Tipps für dein eigenes WWOOF-Abenteuer

Foto: ein abgeernteter Acker

Der Frühling naht und damit steigt meine Reiselust. Wie reist ihr am liebsten? Ich genieße es, wenn ich mich auf einen Ort einlassen und ein paar Tage am selben Fleck sein kann. Lieber als im Hotel wohne ich bei Freunden oder Bekannten. So kann ich tiefer in das Land und seine Eigenheiten eintauchen, gerade weil man von Einheimischen andere Tipps bekommt, als aus dem Reiseführer. Ich mag es auch den Alltag anderer Menschen kennen zu lernen. Eine Möglichkeit bei Einheimischen zu wohnen, in ihren Alltag eingebunden zu sein und dabei mehr über biologische Landwirtschaft zu lernen, ist das WWOOFen.

Ein weltweites Netzwerk von biologischen Höfen

WWOOFen ist (fast) kostenlos und beruht auf dem Austausch von Arbeitskraft gegen Kost und Logis. Konkret bedeutet das, dass du pro Tag ca. vier bis fünf Stunden bei verschiedenen Arbeiten am Hof mithilfst. Deine Aufgaben können sein Gemüsebeete vorzubereiten, Samen auszusäen oder Obst zu ernten. Dafür darfst du gratis übernachten und bei allen Mahlzeiten mit deinen GastgeberInnen essen. Ein Mitgliedsbeitrag von ca. 25 Euro ist an das WWOOF-Netzwerk zu zahlen.

Die Abkürzung WWOOF steht für „we’re welcome on organic farms“ („Wir sind auf biologischen Höfen willkommen“) oder „word-wide opportunities on organic farms“ („weltweite Möglichkeiten auf biologische Höfen“). WWOOF-Höfe bilden ein mittlerweile weltweites Netzwerk für freiwillige HelferInnen auf biologischen Höfen. Wenn du volljährig bist, kannst du grundsätzlich in jedem Alter WWOOFen , mit Kindern, mit Haustier, zu zweit, alleine – solange es für dich und deine GastgeberInnen in Ordnung ist.

Foto: Pfefferoni, Kohl, Karotten in Kisten
Apulien: Jeden Tag gab es frisches Obst und Gemüse im Yogazentrum.

Geboren wurde die Idee von der in London lebenden Engländerin Sue Coppard im Jahr 1971. Sie wollte damit Menschen aus der Stadt die Möglichkeit geben, Zeit in der Natur und in Kontakt mit biologischer Landwirtschaft zu verbringen.

Ich selbst war bereits WWOOFen bei einem Yogazentrum in Italien und bei einer Familie in den USA.

Foto: Zufahrtstrasse zu einem Haus
Apulien: Hier durfte ich bei meinem Aufenthalt im Yogazentrum wohnen.

Land aussuchen, Mitgliedsbeitrag zahlen und los geht‘s

Und so funktioniert WWOOFen: Du entscheidest dich für ein Land und zahlst den Mitgliedsbeitrag von ca. 25 Euro auf das jeweilige WWOOF-Länder-Konto ein. Die Mitgliedschaft gilt für ein Jahr. Im Gegenzug bekommst du Zugang zu den Kontaktdaten der WWOOF-Höfe in diesem Land und eine Mitgliedskarte. Anschließend suchst du dir im Internet auf der jeweiligen WWOOF-Länder-Seite die Höfe aus, die dich am meisten interessieren und am besten zu deinen Wünschen passen. Dann heißt es Höfe anschreiben und ein wenig über dich zu erzählen, um die gegenseitigen Vorstellungen hinsichtlich Zeitraum und Tätigkeiten abzuklären. Denk auch daran Allergien, Unverträglichkeiten oder körperliche Einschränkungen anzusprechen. Auch wenn du deine Kinder mitnehmen willst oder jemanden brauchst der dich abholt, solltest du das abklären. Auf Reisen können sich Pläne auch mal ändern, denk daran deinen GastgeberInnen in dem Fall Bescheid zu geben.

Foto: Kürbisse auf der Fensterbank
New Mexico: leckere Spaghetti-Kürbisse

9 Tipps für dein eigenes WWOOF-Abenteuer

1. Sei dir darüber im Klaren, was du von deinem WWOOF-Aufenthalt erwartest:

Deine Sprachkenntnisse verbessern, kostengünstig reisen oder möglichst viel über biologische Landwirtschaft lernen? Je konkreter du deinen GastgeberInen bei der Kontaktaufnahme erzählst, warum du bei Ihnen WWOOFen möchtest, desto eher könnt ihr abschätzen, ob ein Aufenthalt sinnvoll ist. Bei meinem ersten WWOOF-Aufenthalt in Italien hatte ich die Wahl in der Küche, der Rezeption oder am Feld mitzuarbeiten. Da ich vor allem besser italienisch lernen wollte und nur in der Küche kein Wort Englisch gesprochen wurde, entschied ich mich für die Küche.

2. Fang‘ rechtzeitig an deine Favoriten anzuschreiben.

Gewisse Höfe sind schnell „ausgebucht“ und haben oft monatelang keinen Platz für WWOOFer. Es kommt aber auch vor, dass WWOOFer kurzfristig abspringen. Lass dich also nicht von einer spontanen Anfrage abhalten, aber rechne damit, dass manche Höfe ihre Plätze schon verplant haben.

Foto: rotbraune Hügel in New Mexico
New Mexico: So sah die Umgebung bei meiner Gastfamilie aus. Kein Handyempfang, keine Busverbindung.

3. Sieh dir die Lage des Hofes gut an

Wenn du nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bist, kann es schwierig sein vom Hof aus Unternehmungen zu machen. Manchmal gibt es Fahrräder oder Mopeds am Hof, die du dir ausborgen kannst. Auch hier gilt: Frag am besten im Vorhinein nach.

4. Als WWOOFerIn musst du dich selbst versichern.

Eine Krankenversicherung ist unbedingt nötigt, erkundige dich auch wegen einer Reiseversicherung.

5. Nimm dir genügend Zeit.

Die Aufenthaltsdauer variiert und kann individuell vereinbart werden, manche GastgeberInnen wünschen sich aber eine Mindest-Aufenthaltsdauer. Für mich haben sich zwei Wochen bewährt.

6. Hinterlasse deiner Familie oder Vertrauensperson eine Adresse und eine Kontaktmöglichkeit.

Nicht alle Orte haben Handyempfang 😉 und deine Lieben machen sich sonst vielleicht unnötig Sorgen und wissen nicht einmal wo sie nachfragen können.

Foto: eine Frau misst Holzbretter ab
Holzarbeiten für einen neuen Schuppen – an dem Tag hat es übrigens noch geschneit.

7. Respektiere die Privatsphäre und die Hausregeln deiner GastgeberInnen.

Frag nach, wenn du dir nicht sicher bist, ob du etwas benutzen oder dir einfach aus dem Kühlschrank nehmen darfst. Unter Umständen bist du sehr in ihren Alltag und in ihre privaten Räume integriert, dann braucht es Achtsamkeit und Rücksichtnahme.

8. Sprich an, wenn dich etwas stört

Oder du mit irgendwas nicht klar kommst. Dein Aufenthalt soll beiden Seiten etwas bringen, wenn du das Gefühl hast, etwas passt nicht, sprich es besser an. Wenn es nicht besser wird, kannst du natürlich jederzeit deinen Aufenthalt beenden.

9. Sei offen und neugierig!

Menschen, die bereit sind Andere in ihrem Zuhause wohnen zu lassen, sind meist selbst offene, neugierige und spannende GesprächspartnerInnen.

 

Ich hoffe, meine Tipps helfen euch weiter und haben eure Lust auf ein eigenes WWOOF-Abenteuer geweckt. Wart ihr schon einmal WWOOFen? Habt ihr auch ein paar Tipps auf Lager? Ich freu mich von euch in den Kommentaren zu lesen 🙂

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