Die Kraft der Worte – 3 Anregungen für einen achtsameren Umgang mit deinen Worten

violette Blume

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden deine Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

(Englische Fassung von Charles Reade, Ursprung möglicherweise chin. Sprichwort)

Dieser Blogbeitrag ist eine Einladung, das was du zu dir selbst und anderen sagst genauer unter die Lupe zu nehmen. Unsere Wortwahl sagt viel über uns aus, verrät wo wir aufgewachsen sind und oft auch ohne, dass wir es bewusst mitteilen wollen, unsere Einstellung zur Welt. Umgekehrt beeinflussen unsere Worte auch unsere eigene Stimmung und unsere Gefühle. Worte können uns Mut machen, verletzen, berühren, inspirieren und einfach das ganze Gefühlsspektrum in uns auslösen. Auch wenn wir uns grundsätzlich dessen bewusst sind, gibt es viele Formulierungen und Floskeln, die wir verwenden ohne näher darüber nachgedacht zu haben. In diesem Artikel möchte ich dir drei Anregungen geben, um deine eigene Wortwahl zu beobachten und achtsamer damit umzugehen.

 1. Sprich nicht schlecht von Leuten, die du gern hast – und dazu gehörst auch du selbst 🙂

Trottel, Idiot, Depp – mit unseren Freunden würde wir (im Normalfall) so nie reden, aber uns selbst werfen wir diese Schimpfwörter doch ab und zu an den Kopf. Warum eigentlich? Wenn wir von anderen nicht so beschimpft werden wollen, warum machen wir es dann bei uns selbst? Auf Instagram habe ich dazu einen guten Satz gelesen, der in etwa so ging: „Würdest du jemanden in deiner Nähe behalten, der so mit dir spricht, wie du mit dir selbst gesprochen hast?“
Eine Begebenheit, die mir in dem Zusammengang in Erinnerung geblieben ist, war folgende: Ich sprach mit zwei Freundinnen über Dinge die uns aktuell in unserem Leben beschäftigen und eine von ihnen hat etwas erzählt, das in letzter Zeit nicht gut gelaufen war und wo ihr nun klar geworden war, dass es ihre Verantwortung war. Ihre Schlußfolgerung war: „Ich bin so ein Trottel!“ Die andere Freundin entgegnete darauf: „Ich mag es nicht, wenn du über Leute, die ich gern habe, schlecht sprichst.“ Das hat auch mich zum Nachdenken gebracht: Wenn wir über andere Leute nicht schlecht reden wollen oder sollten, warum reden wir dann mit uns selbst oft so unfreundlich? Beobachte doch mal deinen eigenen inneren Dialog und hör dir zu wie du mit dir selbst sprichst, wenn du nicht zufrieden mit dir bist.

2. Abrüsten, auch in der Sprache

In unserer Alltagssprache stecken viele kriegerische Redewendungen und Ausdrücke. Von meiner ehemaligen Chefin, der lieben Ursula Soukup, habe ich das erste Mal vom Abrüsten in der Sprache gehört. Seitdem achte ich darauf, wie viele kriegerische und auch gewalttätige Ausdrücke wir ganz selbstverständlich täglich verwenden: Wir machen Schlachtpläne, greifen an, lassen eine Bombe platzen, müssen stärkere Geschütze auffahren oder haben ein Attentat auf jemanden vor. Wenn wir aber in einer Welt leben wollen, die friedlicher wird, können wir dann nicht auch unseren Beitrag in der Sprache leisten?

3. Musst du oder willst du?

„Müssen tu ich nur sterben!“, hat schon meine Tante als kleines Kind meiner Oma erklärt. Obwohl ich diese Geschichte schon früh gehört habe, verwende auch ich noch die Formulierung „Ich muss noch dieses und jenes tun.“ Aber muss ich wirklich? Oder will ich? Wenn man davon spricht etwas tun zu müssen, klingt es nach einer Anordnung, bei der man selbst keine Wahl hat. Oft haben wir gegen Befehle und Anordnungen von Außen einen Widerwillen und tun es weniger gern. Wenn es unsere eigene freie Entscheidung ist etwas zu tun, fällt es uns oft leichter und wir machen es lieber. Außerdem übernehmen wir so selbst die Verantwortung, dass wir uns entschieden haben dieses oder jenes zu tun und macht uns bewusst, dass wir eine Wahl haben. Deshalb versuche ich das Wort „müssen“ so wenig wie möglich zu verwenden. Stattdessen verwende ich z.B. „wollen“ oder versuche den Satz gleich aktiv (zB. „Ich gehe morgen um 8 ins Büro“ anstatt „Ich muss morgen schon um 8 ins Büro“) zu formulieren.

Kennst du weitere Beispiele, wo wir unachtsam mit Sprache umgehen? Ich freu mich über deine Gedanken dazu in den Kommentaren!

Wenn du weitere Anregungen erhalten möchtest, kann ich dir die Karten von Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf „Die Kraft der Sprache – 80 Karten für den alltäglichen Sprachgebrauch“ empfehlen.

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