Buchtipp: Die Revolution der Arbeitswelt

Buch: Starting a revolution

Die einen landen im Burnout, den anderen ist langweilig und haben das Gefühl ihre Fähigkeiten nicht voll auszuschöpfen – vielen ist bewusst, dass sich endlich etwas ändern muss in der Arbeitswelt. Wir suchen Jobs mit Sinn, die zu unseren Lebensentwürfen passen, wo wir uns einbringen können, gehört werden und mitgestalten können. Allen, die sich hier wiederfinden, könnte dieses Buch ein paar spannende Anregungen geben!

Starting a revolution. Was wir von Unternehmerinnen über die Zukunft der Arbeitswelt lernen können“

Ich bin über eine Bekannte auf das Buch aufmerksam geworden, sie hatte es in einem Messenger-Gruppenchat gepostet. Auch wenn ich als Angestellte nicht zur primären Zielgruppe des Buches gehöre, mit diesem Titel – Revolution & ein Fokus auf Frauen, die ein Unternehmen erfolgreich gegründet hatten – hatte ich sofort angebissen und das Buch wanderte auf meine Weihnachtswunschliste.

Worum es geht

In „Starting a revolution“ geht es darum, wie wir eine nachhaltigere, gerechtere und freudvollere Arbeitswelt – sowohl für Arbeitgeber:innen als auch Arbeitnehmer:innen – möglich machen können. Dazu erzählen die beiden Autorinnen Lisa Jaspers und Naomi Ryland sowohl von ihren persönlichen Berufserfahrungen als Gründerinnen, als auch von denen anderer Unternehmerinnen, die in der Businesswelt ihren eigenen Weg gegangen sind.

„Starting a revolution“ besteht aus einem Vorwort, 8 Kapiteln, einem FAQ, Dankesworten und Endnotes. Im Vorwort erklären die Autorinnen,welchen Herausforderungen sie im Gründerinnendasein begegnen und was sie dazu bewogen hat, dieses Buch zu schreiben. Lisa Jaspers hat Folkdays gegründet, Shops mit Fairtrade-Fashion, und Naomi Ryland tbd, eine Karriereplattform für Menschen die Jobs mit Sinn suchen.

Die acht Kapitel behandeln Themen wie Veränderungen in der Arbeitswelt (Stichwort „new work“), verschiedene Führungsstile, unterschiedliche Organisationsstrukturen, Arbeitskultur im Büro, Rekrutierungsprozesse und Finanzierungen von Start-ups. Das Kernstück des Buches ist das zweite Kapitel, in dem acht ausgewählte Unternehmerinnen vorgestellt werden, die ihren eigenen Weg in ihrem Unternehmerinnendasein gehen. So zum Beispiel Anna Yona, die Wildling Shoes gegründet hat und ohne Investor:innen und ohne gemeinsames Büro, aber mit mittlerweile über 100 Mitarbeiter:innen ihr Unternehmen profitabel führt. In den weiteren Kapiteln wird immer wieder auf die Erfahrungen der Unternehmerinnen und die Besonderheiten ihrer Unternehmen Bezug genommen.

In eigenen Info-Kästchen unter der Rubrik „Kurz und gut“ werden einzelne Werkzeuge oder Konzepte anderer Autor:innen, wie zum Beispiel die Gewaltfreie Kommunikation oder das Buch „New Work“ von Frederic Laloux, kurz als Gedankenanstoß erklärt.

Wie ich es fand

Die ersten 100 Seiten habe ich in einem Tag verschlungen. Das liegt einerseits daran, dass das Buch sehr leicht zu lesen und einfach geschrieben ist und mich andererseits die persönlichen Geschichten der Unternehmerinnen sehr gefesselt haben. Nach der ersten Hälfte hat der Sog des Buches ein wenig nachgelassen. Das liegt sicher auch an den Themen, wie zum Beispiel Finanzierungen für Startups, die für mich einfach weniger relevant waren. Dennoch war es interessant, in diesen Aspekt Einblick zu bekommen.

Die zwei Autorinnen berichten sehr ehrlich von ihren Herausforderungen und ich fand die persönlichen Geschichten der Gründerinnen am spannendsten. Im Buch werden auch andere Firmen und Entwicklungen erwähnt, die Aussagen werden stets durch Studien und Literaturhinweise belegt. Die sieben Gründerinnen – oder Revolutionärinnen, wie sie im Buch genannt werden – aus Kapitel 2 werden meinem Eindruck nach im Verlauf des Buches nicht in gleichem Ausmaß behandelt. Deshalb konnte ich mich leider am Ende des Buches nicht mehr an alle erinnern. Am meisten beeindruckt hat mich die Biographie von Stephanie Shirley. Ich war erstaunt, noch nie von ihr gehört zu haben, obwohl sie eine absolute Pionierin in den 1960ern war. Sie hatte sich mit ihrer eigenen Software-Firma in Großbritannien selbstständig gemacht, stellte zunächst gezielt Frauen ein, erlaubte ihnen von zu Hause aus zu arbeiten und gab ihren Mitarbeiter:innen Anteile an der Firma. Durch den Verkauf ihrer Firma 2007 wurde sie zur drittreichsten Frau Großbrittaniens.

Das Buch gibt einen guten Überblick, wie Arbeiten zukünftig gestaltet werden könnte, auch wenn man nicht aus der Startup-Branche kommt. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass die „Kurz und Gut“ Abschnitte mehr in die Tiefe gehen. Das Buch macht definitiv Lust, tiefer in manche Themen einzutauchen. Auf meiner Leseliste stehen nun zum Beispiel die Biographie von Stephanie Shirley und Frederic Laloux’s Buch zu New Work

So wie sich die Autorinnen und einige der Unternehmerinnen im Buch die Arbeitswelt vorstellen oder sie schon leben – mit Feedback, Visionen und Emotionen – ist es ein sehr viel persönlicheres Arbeitsumfeld. Es bietet dadurch mehr Potential für das persönliche Wachstum bietet. Ich denke nicht alle Menschen sind für ein derart persönliches Arbeitsumfeld bereit. Nicht jede:r möchte die Trennung von beruflichem und privatem „Ich“ so stark auflösen.

Auch bei mir in der Arbeit stellt sich gerade die Frage – natürlich beschleunigt durch die Corona-Pandemie – wie wir denn in Zukunft zusammenarbeiten wollen und werden. Es gibt zwar nicht so einen großen Spielraum, wie bei den vorgestellten Unternehmerinnen, aber einige Gedanken zu New Work – vor allem in Bezug auf Homeoffice – waren mir schon ein Begriff. Arbeitsbedingungen werden zunehmend flexibler gestaltet und sofern möglich mehr an die Lebensbedingungen der Mitarbeiter:innen angepasst.

Für wen ist das Buch interessant

Natürlich für Gründer:innen, die neue Wege abseits von der ausgetretenen und überfüllten Pfade gehen wollen und wo es nicht nur darum geht, das nächste Einhorn zu werden. Für Führungskräfte, aber auch für Menschen, die sich mit New Work beschäftigen oder sich gerne von persönlichen Geschichten von Pionierinnen inspirieren lassen möchten.

Fazit

Klare Leseempfehlung! Inspirierend und macht neugierig auf mehr Input zu diesem Thema. Auch für Männer geeignet 😉

Deutscher Titel: Starting a revolution. Was wir von Unternehmerinnen über die Zukunft der Arbeitswelt lernen können
Berlin 2020, Econ Verlag (Ullstein Buchverlage GmbH)
Autorinnen: Naomi Ryland / Lisa Jaspers
Herausgeber: Econ; 1. Edition (31. August 2020)
Sprache: Deutsch
Broschiert: 208 Seiten
ISBN-10: 343021033X
ISBN-13: 978-3430210331
Originaltitel: Starting a revolution. What we can learn from female entrepreneurs about the future of business
Genre: Business Ratgeber für RevolutionärInnen
Illustrator: Thulani Yose-Simantov
Übersetzerin: aus dem Englischen von Violeta Topalova

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